Ein erstes Lebenszeichen des Winters 2017/18

Die vergangenen Tage haben der Schweiz in mittleren und höheren Lagen eine erste winterliche Episode beschert.

Ein erster Schub mit Kaltluft erreichte die Schweiz am vorletzten Sonntag und brachte auf der Alpennordseite oberhalb von 1300 bis 1800 m eine geschlossene Schneedecke. In der Folge stand die Schweiz unter dem Einfluss eines Höhentiefs über Norditalien, welches trübes, mässig kühles und teilweise nasses Wetter zur Folge hatte.

Auf das letzte Wochenende hin stellte die Wetterlage erneut um: eingebettet in eine nordwestliche Höhenströmung führten zwei Tiefdruckgebiete, begleitet von starken bis stürmischen Winden, zuerst milde und feuchte Luft zu uns.

Im Alpstein setzte das Tauwetter der Schneedecke arg zu, wie der folgende Bildvergleich zeigt.

Am 10. Oktober lag am Sämtisersee (~1209 m) noch Schnee… (© Bild: www.hoherkasten.ch / www.plattenboedeli.ch)

…. und am Mittag des 12. Novembers war die Schneedecke bis auf eine Höhe von 1600 m abgeschmolzen. (© Bild: www.hoherkasten.ch / www.plattenboedeli.ch)

Am Nachmittag des 12. Novembers erfasste eine markante Kaltfront die Schweiz und liess die Schneefallgrenze binnen kurzer Zeit weit unter 1000 m sinken.

Mit Hilfe der Daten der automatischen Niederschlagstation Starkenbach von MeteoSchweiz lässt sich die Schneemenge, welche von Sonntag Abend bis in die Nacht von Montag auf Dienstag auf der Alp Hintergräppelen gefallen ist, näherungsweise auf etwas weniger als einen halben Meter abschätzen:

Vor der Kaltfront, welche anhand des Temperaturverlaufes von Hintergräppelen gut zu erkennen ist, fielen knapp 60 mm flüssiger Niederschlag. Mit dem Durchgang der Kaltfront sank die Schneefallgrenze rasch unter 1000 m ab und bis Dienstag Mitternacht fielen 38 mm Niederschlag in Form von Schnee.

 

 

 

 

 

Diese Grössenordnung wird im übrigen auch durch die Messungen an den manuellen Stationen Iltios und Schwägalp des SLF gestützt

Widmen wir uns dem Temperaturverlauf der Station Hintergräppelen:

Folgende Aspekte fallen auf:

  • Üblicherweise ist die erste windstille und klare Nacht nach einem Neuschneeereignis die kälteste. Diese Regel hat sich auch diesmal bestätigt – wenn auch nur knapp: Am 14. November wurde ein Minimum von -21.9 °C gemessen, an den beiden Folgetagen betrug dieses jeweils -21.5 °C.
  • Spannend ist der Umstand, dass die nachmittägliche bzw. abendliche Ausgangslage hinsichtlich der vorangehenden Maxima recht unterschiedlich war: zwei ganz knappe Eistage am Montag und Dienstag und dann sagenhafte -10.5 °C am Mittwoch (dazu weiter unten noch mehr). Auf die Minima der folgenden Nacht hatte diese Ausgangslage jedoch keinen Einfluss.
  • Am Freitag, dem 17. und Samstag dem 18. November lag das Minimum gut 5 Grad höher als an den vorangegangenen Tagen. Die nächtliche Abstrahlung war nicht mehr ideal (aufziehende hohe Wokenfelder), aber dennoch gross genug, um Tagesamplituden von 20 Grad zu realisieren.
  • Bleibt das Tagesmaximum von -10.5 °C am 15. November, welches augenfällig ist. Letztmals traten derart tiefe Maxima im Januar dieses Jahres auf, man kann also bezogen auf die Minima durchaus von hochwinterlichen Bedingungen sprechen.

In Fällen wie am 15. November bietet sich der Vergleich mit der freien Atmosphäre an: Bleibt es auch tagsüber kälter als auf gleicher Höhe ausserhalb eines Kaltluftsees (die Inversion bleibt erhalten), so spricht man von einem persistenten Kaltluftsee (engl. persistent Cold Air Pool (PCAP) . Zwar steht über dem Kaltluftsee von Hintergräppelen seit dem 27. September dieses Jahres eine separate Temperaturmessstation, diese liefert jedoch keine Echtzeitdaten und steht daher nur mit zeitlichem Verzug zur Verfügung. Somit bleiben Messstationen aus der Nähe übrig, um Hinweise auf den Temperaturverlauf in der freien Atmosphäre zu erhalten. Am nächsten liegt zwar die Station Säntis, für Vergleichszwecke ist der grosse Höhenunterschied von 1200 m jedoch nicht ideal. Etwas weiter entfernt liegt die IMIS-Station Amden-Bärenfall (1610 m) sowie die SwissMetNet-Station Hörnli (1132 m). Darüber hinaus ist die Webcam auf dem Iltios tagsüber sehr hilfreich, um die Bewölkungsverhältnisse abzuschätzen.

Webcambild https://iltios.roundshot.com vom 14.11.2017 16:30. Den ganzen Tag über bedecken Hochnebelbänke die Alpsteinketten.

Webcambild https://iltios.roundshot.com vom 15.11.2017 16:40. Der Tag ist wolkenlos, erst am späten Nachmittag zieht Hochnebel auf, dessen Top auf etwa 1200 m liegt.

Webcambild https://iltios.roundshot.com vom 16.11.2017 16:50. Hohe Wolkenfelder behindern die Abstrahlung.

Die Daten des Hörnli helfen in diesem Fall nicht viel weiter, die (hier nicht gezeigten) Daten der Luftfeuchte legen nahe, dass dessen Gipfel im Hochnebel liegt. Die Station Bärenfall des SLF führt uns aber auf die richtige Spur. Sie liegt 400 m höher als Hintergräppelen und weist eine ab Mitternacht des 15. Januars eine stark steigende Temperatur auf. Gleichzeitig lässt der Temperaturverlauf von Hintergräppelen darauf schliessen, das die Ausstrahlung ungehindert ist: Der Temperaturanstieg an der Station Bärenfall ist also auf grossräumiges Absinken (Subsidenz) im Hochdruckgebiet zurückzuführen, welche in der Höhe (ausserhalb von Muldenlagen) zu sehr milden und trockenen Bedingungen führt. Die Webcambilder von Iltios zeigen entsprechend ganztags einen praktisch wolkenlosen Himmel. Diese extrem starke und stabile Inversion bei gleichzeitig windschwachen Verhältnissen liesst die Temperatur in Hintergräppelen ganztags bei unter -10 °C verharren.

Am folgenden Tag, dem 16. November, zogen dichte hohe Wolkenfelder auf, welche die Abstrahlung stark dämpften. Tagsüber brach die Inversion wieder auf (vermutlich lag auch noch etwas Windunterstützung vor, hier wären jedoch Messdaten aus dem Gebiet notwendig) und das Maximum lag mehr als 10 Grad höher als noch am Vortag (der genaue Wert wird sinnvollerweise bestimmt, wenn aktiv ventilierte Daten verwendet werden können).

Ein Tagesmaximum von unter -10 °C wurde letztmals am 25. Januar registriert. In den kommenden Tagen scheint eine Wiederholung recht unwahrscheinlich zu sein…

Literatur

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