La Chaux-d’Abel

La Chaux-d’Abel (frühere Schreibweisen „Chaux d’Aubelle“ und „Chaux d’Abelle“) ist eine Landschaft in den jurassischen Freibergen, liegt aber grösstenteils im Kanton Bern.

Eine gewisse Bekanntheit hat die Gegend durch die Gemeinde der Täufer bzw. Mennoniten erlangt. Im 18. Jahrhundert gehörte die Gegend zum Erzbistum Basel, hier fanden die Täufer Schutz vor der Verfolgung durch die reformierte Berner Obrigkeit. Eine bis heute nicht offiziell aufgehobene Verordnung gewährte den Täufern ein Niederlassungsrecht, verbot ihnen aber die Wohnsitznahme unterhalb von 1000 m.ü.M. Die Täufer haben die Landschaft durch die Bewirtschaftung geprägt, charakteristisch sind die verstreuten Höfe. Bis heute bildet die Gegend eine deutschsprachige Insel in einem französischsprachigen Gebiet. Mehr zur religionshistorischen Geschichte von La Chaux-d’Abel findet man in .

Lage

Das Gebiet von La Chaux-d’Abel lässt sich nicht scharf begrenzen, es erstreckt sich ungefähr von La Ferrière im Südwesten bis nach La Cerneux-Veusil im Nordosten. Gegen Südosten bilden die Montagne du Droit die Grenze zum Vallon de Saint-Imier, im Nordwesten ist der Übergang zum Gemeindegebiet von Les Bois fliessend.

Die Gegend ist durch Karsterscheinungen geprägt, was sich in den vielen grösseren und kleineren Senken in der Landschaft zeigt.

Im nordöstlichsten Teil des Gebietes, dicht an der Grenze zum Kanton Jura, liegt das Hochmoor von La Chaux-d’Abel.

Entstehung
Die Freiberge liegen im Übergangsbereich zwischen den Kettenjura im Südwesten und dem Plateaujura im Nordosten. Die Oberfläche weist nur ein schwach ausgeprägtes Relief auf, im Gegensatz dazu ist der Untergrund stark verfaltet. Es wird davon ausgegangen, dass durch die Ausbildung von Kofferfalten die Synklinalen an der Oberfläche morphologisch nur schwach ausgeprägt sind . Wie überall im Jura ist das Gebiet verkarstet und die Entwässerung erfolgt zu einem grossen Anteil unterirdisch. Verschiedene Senken und Mulden sind mit Mergel- und Tonschichten abgedichtet, sodass sich Flach- und Hochmoore sowie einzelne Moorseen (z.B. Etang de la Gruère) ausbilden konnten.

Eigenschaften

Tiefste Stelle976 m (Schluckloch)
996 m (Teich)
Höhe Überlaufstelle1026 m
maximale Tiefe50 m (Schluckloch)
30 m (Teich)
Fläche auf Höhe der Überlaufstelle2.35 km2
Volumen des Kaltluftsees29'487'898 m3
Sky View Faktor (sichtbarer Anteil des Himmels gegenüber einer Ebene)>0.99

Auch in der Senke von La Chaux-d’Abel haben diese Prozesse zur Ausbildung eines Hochmoores geführt. Hier wurde früher Torf abgebaut, seit 1987 steht das Gebiet unter Schutz. Das Hochmoor prägt das Zentrum dieser sehr sanft geschwungenen Synklinale. An den Rändern dominieren Weiden und Wiesen sowie mehr oder weniger lockerer Nadelwald.

Spuren des Torfabbaus am Rande des Hochmoores von La Chaux-d’Abel. Mit der Bahn wurde Torf abtransportiert.

Die Senke hat eine sehr geringe Horizontüberhöhung und weist flächig einen Sky View Faktor von über 0.99 auf. Die topographischen Voraussetzungen für eine effiziente Abstrahlung und somit Wärmeabgabe in der Nacht sind vorzüglich.

Das Hochmoor entwässert zu zwei aufgestauten Teichen , welche ihrerseits das Wasser in ein mehr als 15 m tiefes, schluchtartiges Schluckloch abgeben. Hier befindet sich der tiefste Punkt der Senke. In älteren Dokumenten wird diese Vertiefung „Sagiloch“ genannt (vgl. , in heutigen Karten wird der Flurname „La Tuilerie“ verwendet. Beide Bezeichnungen weisen auf die frühere Nutzung als Sägerei bzw. als Ziegelei hin.

Messungen

Aus dem Gebiet selber sind keine systematischen Messungen bekannt. Anwohner berichten von Temperaturen, welche verschiedentlich tiefer sind als in La Brévine (vgl. z.B. Kommentar unter https://www.schweizerbauer.ch/vermischtes/allerlei/bitterkalter-morgen-bis–27-grad-40473.html

Seit dem 11.07.2018 wurden Testmessungen mit einem Datenlogger der Firma Gemini
(Tinytag Talk 2 TK-4023) durchgeführt, welcher in einem passiv ventilierten Strahlungsschutz nördlich des Zuflusses zum unteren Weiher auf einer Höhe von 1.9 m aufgestellt war. Aus logistischen Gründen (Länge des Anfahrtsweges) wurde ein Speicherintervall von 1h gewählt: alle 60 Minuten wird der Momentanwert sowie das sekündlich ermittelte Minimum bzw. Maximum über die vorangegangen 60 Minuten aufgezeichnet. Diese Station wird für eine gewisse Zeit weiterbetrieben.

Am 28.12.2018 wurde eine Station mit Echtzeitdatenübertragung installiert. Der Standort wurde in der Nähe des Gehöfts „La Tuilérie“ gewählt, wobei darauf geachtet wurde, dass die Grenzen des Hochmoores respektiert werden, der Abstand zu den beiden Weihern sowie zu Baumbeständen gross genug ist und sich die Station gleichzeitig möglichst tief in der Senke liegt. Eine Aufstellung im Schluckloch wurde verworfen, mobile Messungen haben den Einfluss der steil einfallenden Wände auf die Abstrahlung gezeigt.

Installiert wurde ein Gerät mit Echtzeitübermittlung auf der Basis von LoRaWAN der Firma Decentlab, welcher als Kernstück einen SHT-21-Sensor von Temperatur und Luftfeuchtigkeit von Sensiron verwendet. Dieser Sensor wurde in einem MeteoShield Professional Strahlungsschutz, welcher freundlicherweise durch die Firma Barani Design zur Verfügung gestellt wurde, auf exakt 2 m über Boden angebracht. Dieser Strahlungsschutz ist passiv ventiliert, liefert aber gemäss Vergleichsmessungen des Belgischen Wetterdienstes dennoch sehr gute Resultate. Nominell werden alle zwei Minuten Messdaten übermittelt, die Signalabdeckung im Gebiet ist jedoch nicht optimal und es treten immer wieder Lücken auf.

Die aktuellen Daten der Messstation können hier abgerufen werden.

Panoramebild mit Messstation

Verdankung

Vielen Dank an alle, welche den Bau der Station ermöglicht haben! Besonder zu erwähnen sind:

  • Herr Peter Lachenmeier für das Gastrecht auf seinem Grundstück und die Unterstützung beim Bau,
  • die Firma Decentlab für die grosszügige Unterstützung bei der Bereitstellung des Messgerätes,
  • die Firma Barani Design für die grosszügige Überlassung eines Strahlungsschutzes Modell „MeteoShield Professional„.

Literatur

Labhart, Toni P. 1992. Geologie Der Schweiz. Thun: Ott.
Bühler. 2004. “La Chaux-d’Abel.” Semesterarbeit im Fach Kirchengeschichte, Liestal: Theologisches Seminar Bienenberg.