kaltluftseen.ch fokussiert im wesentlichen auf geschlossene Kaltluftseen. Hier treten bezogen auf die Temperatur die grössten Unterschiede im Vergleich mit der freien Atmosphäre auf gleicher Höhe auf. Daneben gibt es jedoch eine Vielzahl von offenen Kaltluftseen: hier sammelt sich die Kaltluft nicht in geschlossenen Senken, sondern staut sich an Hindernissen auf. Der grösste Kaltluftsee ist das schweizerische Mittelland – die Auswirkungen kennen die Flachlandbewohner der Alpennordseite: der Kaltluftsee im Mittelland wird häufig durch eine Hochnebeldecke gedeckelt… Die nachfolgende Übersicht zeigt (ohne auf die kleinen Kaltluftseen einzugehen), wo in der Schweiz reliefbedingt Kaltluftseen entstehen können:

Neben dem Mittelland und dem Juranordfuss treten sie verbreitet in den Muldenlagen des Jura auf und sind bei günstiger topographischer Konfiguration (Verengungen) auch in vielen Tallagen der Alpen und Voralpen zu finden.
Wie stark die tiefsten bisher gemessenen Temperaturen in diesen Kaltluftseen von den Minima in der freien Atmosphäre auf gleicher Höhe abweichen kann, ist höchst unterschiedlich:

Im Mittelland zeigt sich ein Gradient vom Genfer- zum Bodensee: während in der Genferseeregion lokale Kaltluftseen kaum ausgeprägt sind, führen diese in der Nordostschweiz zu gut 6 Grad niedrigeren Temperaturen. Z’Graggen erklärt dies in damit, dass sich bei extremen Kältewellen meist eine nordöstliche Bodenströmung einstellt. In der Nacht kann diese im östlichen Mittelland abstellen, so können sich bei nächtlichem Aufklaren lokal Werte von unter -30 °C einstellen. Die Annalen der seinerzeitigen Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt des Jahres 1929 berichten in einem Artikel zur „Februarkälte von 1929 in der Schweiz“ folgendes:
In Lagen, die die Abkühlung durch Ausstrahlung besonders begünstigen, kamen noch tiefere Thermometerstände vor, so ist z. B. auf dem Flugplatz Dübendorf bei Zürich, in der breiten Mulde des Glattales, -35.0° abgelesen worden.
In der Westschweiz und insbesondere im Genferseebecken sind höhere Windgeschwindigkeiten bei Bisenlagen typisch, massgebender Einflussfaktor ist die Kanalisierung zwischen Jura und Alpen. Dies führt zu weniger günstigen Abstrahlungsbedingungen.
Die grössten Intensitäten erreichen Kaltluftseen in den bekannten und klassischen Regionen:
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- La Brévine
- Vallée de Joux
- Glattalp
- Goms
- Urserental
- Oberengadin
- Buffalora am Ofenpass
- Rothenturm
Die Inversionsstärke erreicht hier Werte von über 10 Grad, in abgeschlossenen Senken teilweise deutlich mehr als 15 Grad.
Bedingt durch die Generalisierung werden in den obigen Karten die Kaltluftseen im Alpstein nicht dargestellt. In Hintergräppelen wurden in der kurzen Messreihe seit Herbst 2016 bereits Inversionsstärken von über 25 Grad verzeichnet:

Messungen aus dem Grünloch in Österreich geben beim tiefsten in Wert der jüngeren Geschichte eine Inversionsstärke von gut 35 Grad an (-47.1 °C am Grund der Doline am 24. 12.2001, gleichzeitig -12.5 °C über der Doline, vgl.
Literaturverzeichnis